Refugees welcome // Es ist Zeit laut zu werden

 
 

Ich sage es ganz ehrlich! Politik interessiert mich nicht. Aber für was ich mich interessiere sind Menschen. Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ich verschieße oft Augen und Ohren vor politischen Ereignissen und etlichen Schlagzeilen aus den Klatschblättern. Doch wenn wieder eine Meldung in Bild und Funk die Runde macht, dass ein weiteres Flüchtlingsschiff gesunken ist, ein weiterer Transport verunglückt, kann ich nicht wegsehen. Was diese Menschen auf sich nehmen um Frieden, Freiheit und Leben zu verteidigen und wiederzubekommen können wir uns nicht einmal in unseren schlimmsten Träumen vorstellen. Dann lese ich, es könnte ein Problem sein, dass die Flüchtlinge zu uns in die westliche Welt kommen. Sagt zumindest die Politik! Ich kann dabei nur mit dem Kopf schütteln! Welches Problem?

Ich selbst bin in Rumänien geboren und aufgewachsen. Ich kenne auch etwas anderes als Demokratie. Diktatur. Militär an jeder Ecke. Mit Maschinengewehr. Schüsse die man hört. Einmal wurde auch der Raum unter Beschuss genommen in dem wir uns aufhielten. Unsere Küche. Keine Supermärkte in denen man kaufen konnte was man möchte. Essensmarken hat man bekommen. Das hat einem aber nicht garantiert, dass man auch bekommen hat was auf der Marke stand. Meine Mutter und auch meine Großeltern mussten um 3:00 Uhr früh Schlangestehen damit wir so "Luxusgüter" wie Milch, Butter oder Brot hatten. Wenn man später kam war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man nichts mehr bekam.

Bei meiner Familie und mir war es sicherlich nicht mal halb so schlimm wie es bei den Menschen ist, die sich gerade auf den Weg in die sogenannte westliche Welt machen. Dennoch kann ich sehr gut verstehen, dass meine Eltern aus Rumänien nach Deutschland ausgewandert sind. Mein Vater ist sogar aus dem Land geflohen. Noch bevor die Grenzen offen waren ist er unter Beschuss mit einer Luftmatratze quer über die Donau ins damalige Jugoslawien geflohen. Dort musste er einen Monat im Gefängnis ausharren bis er nach Deutschland einreisen durfte. Wohlgemerkt, mein Vater ist deutscher Abstammung.

Meine Mutter hingegen ist Österreicherin. Ich kann mich noch sehr genau an die Auswanderung aus Rumänien erinnern. Mein Onkel und meine Tante haben uns - meinen Bruder (5), meine Mutter (27) und mich (7) - mit einem grünen VW Bus abgeholt. Viel Gepäck hatten wir nicht. Die sperrigen Sachen waren in Containern auf dem Weg nach Deutschland. Meine Tante sprach von Deutschland immer, als wäre es etwas Besonderes; etwas ganz Kostbares. Ich hatte mit meinen sieben Jahren den Eindruck wir fahren in ein Schlaraffenland. So war es dann auch. Süßigkeiten kannte ich vorher nicht! Supermärkte waren eine Attraktion!
Wir sind auch aus dem Heimatland geflohen aber im Vergleich zu den Menschen die sich jetzt auf die Reise machen war das wahrscheinlich ein Spaziergang.

Durch Instagram und den wundervollen Blog und den Beitrag zur aktuellen Situation von Johanna Pinkepank bin ich auf ein Video mit dem Titel “Papa sagt: “Hallo Flüchtlinge, ihr seid willkommen!“ gestoßen, dieses durch Caroline Mohr auf ihrem Blog mohrenpost online gestellt - ein Interview mit Ihrem 78-Jährigen Vater.
 


Beide haben im Rahmen der Aktion #bloggerfuerfluechtlinge diese Beiträge verfasst um Aufmerksamkeit zu schüren. Um laut zu werden und andere darauf aufmerksam zu machen. #bloggerfuerfluechtlinge ist eine Initiative von Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing. Sie wollen, dass nicht mehr weggeschaut wird und jeder seine Stimme erhebt. Jeder laut wird!


"Wir sind ganz normale Menschen. Menschen denen nicht egal ist, wie mit anderen Menschen umgegangen wird. Menschen, die helfen wollen."


Bei diesen Menschen ist die Situation im Heimatland nicht tragbar. Wer von uns möchte denn seine Kinder in Armut, Krieg, Hunger und Zukunftslosigkeit aufwachsen sehen bzw. selbst so leben? Keiner. Mir als Mutter und Gerechtigkeit in Person tut es in der Seele weh, wenn ich mir vorstelle was diese Menschen alles durchmachen müssen um nicht mehr in völliger Angst zu leben.
Wir, die sogenannte westliche Welt, der Wohlstand, wir haben die Pflicht unseren Brüdern und Schwestern zu helfen. Wir sind dermaßen an unseren "Reichtum" gewöhnt, dass wir diesen als selbstverständlich ansehen. Einkaufen gehen, das Haus für einen Spaziergang verlassen oder uns frei bewegen können, ohne Angst!              

Bitte macht die Augen auf. Seht nicht weg. Auch ihr Politiker. Ihr, die es in der Hand habt. Menschlichkeit sollte im Moment an erster Stelle eurer Tagesordnung stehen. Sonst nix! Macht euch bewusst was wichtig ist. Der Mensch. Sonst nix!

Mach die Augen auf, werde laut und hilf!
Ariela



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